Heiratszwänge

Posted: 27. Januar 2008 by Heiko Hartmann in Schlagworte: ,
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Vor kurzem traf meine Freundin, mit der jetzt schon insgesamt sechseinhalb Jahre zusammen bin, alte Freunde von sich, welche miteinander verheiratet sind und schon zwei Kinder haben. Die Begrüßung des Herrn war dabei recht forsch und vor allem ziemlich neugierig. Er fragte sie nämlich, wann wir beide denn endlich mal heiraten. Auf die Frage meines Schatzes, weshalb er das wissen will und warum wir denn endlich heiraten wollen sollen, antwortete er, daß wir ja jetzt schon so lange zusammen sind und man das halt so macht.

So weit, so gut. Als sie mir davon erzählte, kam ich mal wieder ins Grübeln. Es ist ja nicht so, daß dies die erste Frage dieser Art war. Andauernd wird man von Bekannten und Verwandten, manchmal sogar Freunden, immer wieder darauf angehauen, wann wir beide denn heiraten wollen. Die Argumentation ist dabei immer die gleiche: es ist - wie ich oben schon beschrieben habe - mal an der Zeit und man macht das halt einfach so, wenn man schon so lange miteinander zusammen ist.

Da frage ich mich dann immer, ob es irgendwo auf dieser verdammten Welt ein mehr als nur geheimes Gesetzbuch für alltägliche und zwischenmenschliche Dinge gibt, welches einem unter anderem vorschreibt, ab einer bestimmten Dauer der Beziehung man seinen Partner zu heiraten oder die Dame eventuell erfolgreich zu begatten hat. Denn auch die Frage, wann wir endlich mal ein Kind machen, kommt und nervt mich immer wieder. Hat das irgendwas mit angeblichen gesellschaftlichen Konventionen zu tun, daß da auf auf einmal dieser Satz "Das ist einfach so/Das macht man einfach so" einem um die Ohren geschmissen wird? Ist das aus grauer Urzeit in unserem Trieb verankert, daß man ab einer Zeit dauerhaft bei einem gewissen Partner bleibt und sich mit diesem fortpflanzt? Ich denke doch wohl nicht. Oder ist es wirklich ein vielleicht auch ungeschriebenes Gesetz innerhalb unserer Gesellschaft - eventuell auch aus frühren Zeiten stammend - das seit einiger Zeit miteinander lebende und sich liebende Menschen den Bund der Ehe eingehen?

Da fällt mir wieder dieser alte Witz ein, bei dem die Frau beim Kreuzworträsteln nach dem "Lebensende mit drei Buchstaben" fragt und der Mann daraufhin "Ehe" antwortet.

Es ist aber nicht so, daß ich dir Ehe vollkommen abgeneigt bin. Mein Schatz und ich sind ja auch seit einiger Zeit verlobt, so ist das ja nicht. Aber ob wir auch den letzten, entscheidenden Schritt zum Standesamt wagen (kirchlich wird sowieso nicht), daß entscheiden immer noch wir selbst. Ob und wann überhaupt! Denn mal ehrlich: man braucht doch nicht irgend so einen Schein um glücklich mit seinem Partner zu sein. So lange das Zwischenmenschliche funktioniert - und das tut es sehr wohl - da kann man auf gut Deutsch auf eine etwaige Hochzeit scheißen. Wenn wir uns beide bereit dafür fühlen, dann wird auch zum Standesamt gehüpft. Allerdings zu einer Zeit, in der wir das wollen. Und nicht, weil irgendwer irgendwann mal gesagt hat, das man das halt so macht.

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