Beschwerde von Springer gegen Bildblog

Posted: 16. Februar 2008 by Heiko Hartmann in Schlagworte: ,
1

Des einen Freud', ist des anderen Leid. Und während also viele Jünger der Herren Niggemeier und Schultheis sich wunderbar über die täglichen Fehler bei diesem Blättchen echauvieren, so dürfte man in den oberen Etagen des Axel-Springer-Verlags doch mächtig genervt über die beiden Macher und ihr Watchblog sein. Der Erfolg des Blogs spricht da ja schon Bände.

Jedenfalls will man nun durchsetzen, daß Bildblog keine Beschwerden mehr beim deutschen Presserat über die Bild einreichen darf.

Das Argument des Großverlags: Den Machern der Seite gehe es bei ihren Eingaben nicht darum, Missstände aufzuzeigen - sondern um Kommerz.

Holla die Waldfee?! Kommerz? Ja wie soll ich mir das vorstellen? Brummelt Bruder Diekman morgens schlechtgelaunt was von "...scheiß Mainstream-Kiddies" in seine Kaffeetasse? Scherz beiseite und mit Verlaub: die Begründung von Springer ist ja 20 km gegen Wind als fadenscheinig zu identifizieren. Es ist ja wohl mehr so, daß man sich damit einen unbequemen Gegner schön weit entfernt vom Leib halten will, damit der Presserat den Bildmachern nicht mehr so oft auf die Finger haut. Also haut man mal selbst ordentlich auf den Putz und übertreibt so maßlos wie in seinem Käseblatt. Die Werbung, mit der sich das Projekt finanziert, ist schließlich nur dafür da, damit das Bildblog am Leben bleibt. Und mal übrigens: schaltet man bei euch da in euren Blättern nicht auch Werbung? Kostet das nicht auch Geld? Und das wird doch auch zu einem Teil dafür benutzt, daß ihr dann - jedenfalls im Falle der Bild - den Lesern weiterhin so tolle Berichte Märchen erzählen könnt?

Und wenn man könnte bzw. irgendetwas driftigeres finden könnte, würde man dann doch insgeheim versuchen, daß das Blog ganz von der Bildfläche (das Wort erhält gerade durch diesen Sachverhalt eine interessante Doppeldeutigkeit, meiner Meinung nach) verschwindet. Damit man wieder ungeniert seinen blöden Quark und die Halbwahrheiten in das Weltbild des deutschen Durchschnittsbürgers tröten kann.

Laut Springer rufen die "Bildblog"-Betreiber den Presserat missbräuchlich mit einer Flut von Beschwerden an, um daraus Stoff für die eigene Berichterstattung zu gewinnen (...)

Na, vielleicht will man dem Presserat ja nur die Arbeit vom Hals schaffen, die Bildblog diesem beschert. Die können sich ja bestimmt nicht vor Beschwerden retten und versinken in diesen, oder?

Nach Angaben des Presserats hat "Bildblog" in den dreieinhalb Jahren seines Bestehens insgesamt zwölf Beschwerden eingereicht.

Ein ganzes Dutzend Beschwerden also. Na, wenn das mal nicht wahrhaftig eine "Flut" ist. Gut alle dreieinhalb Monate erreichte den Rat also eine Beschwerde über die Bild. Na solange sich da der Presserat doch noch nicht selbst darüber moniert hat, wo ist da also das Problem? Und zudem ist es durchaus berechtigt, Verstöße gegen Regeln zu melden, die eigentlich auch der Springer-Verlag so akzeptiert und unterzeichnet hat.

Aber sich an Regeln halten ist sowieso Scheiße. Jedoch stinkt diese Art des Presseanarchismus bis zum Himmel und da ist es durchaus legitim, daß Niggemeier und Schultheis mit ihrem Projekt Kritik an dieser "Zeitung" üben. Wollen wir also mal hoffen, daß der deutsche Presserat sich nicht von Springer um den Finger wickeln läßt.

(Alle Zitate von Spiegel Online)

1 Kommentare:

  1. Anonym says:

    Danke sehr an den Autor.

    Gruss Nanna