Extreme (Daten-)Sammelwut

Posted: 7. Februar 2008 by Heiko Hartmann in Schlagworte:
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Welcome to the year 1984. Aber das ganz gewaltig. Jedenfalls wenn die Bundesregierung ihre Planungen für das angedachte Bundesmelderegister wirklich so realisiert wie angedacht:


Seit der Föderalismusreform I hat der Bund die alleinige Kompetenz, das Melderecht zu regeln. Schon vor einem Jahr hatte das Innenministerium ein zentrales Melderegister angekündigt. Der Referentenentwurf sieht jetzt vor, dass das Bundesmelderegister beim Bundesverwaltungsamt angesiedelt wird. Von jeder in Deutschland gemeldeten Person würden mindestens 27 persönliche Daten gespeichert, wesentlich mehr als heute in den Meldebehörden erfasst sind. Darunter das Geschlecht, die Religionszugehörigkeit, der Familienstand sowie die Steueridentifikationsnummer, die jeder Steuerpflichtige sein Leben lang behält. Auch Pass- und Ausweisdaten sollen gespeichert werden, nicht allerdings die biometrische Merkmale.

Unter Umständen könnte der Datensatz jeder Person auf über 60 Einträge anwachsen. Neben der E-Mail-Adresse ("elektronische Bürgeradresse") sowie Hochzeitstag- und Ort sollen auch die gesetzlichen Vertreter samt Doktorgrad, Anschrift, Geburtstag, Geschlecht und Todestag im Bundesmelderegister erfasst werden. Die gleichen Daten werden von Ehegatten, Lebenspartnern und minderjährigen Kindern gespeichert. Weitere Informationen sollen für bestimmte Zwecke erfasst werden: Darf die Person wählen oder gewählt werden? Ist sie bereits für den Wehrdienst erfasst worden? Wurde eine Waffenerlaubnis erteilt; wenn ja, wann? Wurde eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis erteilt; wenn ja, wann?

(Quelle: heise.de)

Weiterhin könnte ich mir vorstellen: wann hatte Bürger XY seinen letzten Durchfall? Knabbert er eigentlich an den Fingernägeln? Und wie oft wedelt sich der Typ eigentlich in der Woche einen von der Palme? Bei diesen "Nichtigkeiten" zwischen 27 und 60 Einträge kann man die gesammelten Daten über die Bürger doch ruhig auch um diesen Schwachsinn erweitern. Diese kleine Mehrzahl an Einträgen fällt doch bestimmt nicht weiter ins Gewicht.

Denn wenn man schon Daten sammelt, dann aber auch richtig! Alleine diese Bezeichnung "elektronische Bürgeradresse" für die E-Mail-Adresse muss man sich mal genüßlich auf der Zunge zergehen lassen. Ich kann den Amtsschimmel gerade bis hier hin wiehern hören. Und wieder spricht man zur Verteidigung des Vorhabens von einer Entlastung der Behörden, einem leichteren Zugriff auf Daten für diese. Mann wolle es ihnen doch nur leichter machen und wohl uns Bürgern die Nerven schonen, welche ja schon mal leicht angestrengt werden, wenn man länger mit Behörden zu tun hat. Und das auch der BND darauf zugreifen kann - und wer weiß, wer sonst noch - das erwähnt man lieber nur mal nebenher, bevor noch jemand unangenehme Fragen stellt.

Und wenn wir doch noch irgendwo einen Kritiker haben: einfach die Identifikationsnummer durch die Datenbank jagen, die Daten abrufen und gucken, was dieser Herr so macht. Vielleicht kommt uns ja irgendwas verdächtig vor, was man mal verfolgen könnte. Man geht doch mal lieber auf Nummer sicher und setzt nach der Vorratsdatenspeicherung den nächsten Schritt in Richtung gläserner Mensch. Natürlich nur, um den alten Verwaltungsapparat zu entlasten und zu erneuern. Das man aus purer Neugier den Menschen ausspioniert und ihn mit beinahe schon voyeuristischer Besessenheit beobachtet um sicher zu gehen, daß er kein böser Bube ist, läßt man natürlich außen vor.

Jeder Vollhorst bei irgendeiner Behörde kann dann - wenn die Planungen wirklich so umgesetzt werden - mal kurz in deinen persönlichsten Daten rumschnüffeln. Und jeder findige Hacker mit böswilliger Absicht übrigens auch. Ist ja alles so schön gespeichert. Das hilft so manchem Blackhat wirklich weiter. Da kommt es einem so vor, als würde die Regierung ihren "Untergebenen" immer weniger trauen und sammelt in ihrer Vorsicht Paranoia wahre Datenberge der Leute um schnell gucken zu können, wer vielleicht irgendwo was böses angestellt hat. Mit Betonung auf vielleicht. Aber: Sicher ist Sicher.

Übertreibung? Na, ich weiß nicht so recht. Ich traue dieser offiziellen Erklärung nicht, daß dieses Bundesmelderegister nur zur Erleichterung für Behörden dient. Es sieht so aus - wie schon geschrieben - als traue man dem Bürger teils nicht richtig über den Weg und sammelt wütig jede Information, die man über jemanden bekommen kann. Zumal liegen nun mal auch irgendwo Informationen über mich und andere auf Datenträgern herum und keiner weiß so richtig, wer diese zu Gesicht bekommen kann. Wer weiß, wer darauf alles zugreifen kann. Sowohl legal als auch illegal. Und ganz ehrlich: wenn ich den Anschein habe, man vertraut mir nicht, dem traue ich genau so wenig...

(via)

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