Pascow - Nächster Halt gefliester Boden

Posted: 25. Februar 2008 by Heiko Hartmann in Schlagworte:
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Deutschpunk ist für viele ja erstmal mit Asozial, Suff und Pogo verbunden und musikalisch rumpelt das ganze fröhlich stumpf vor sich hin ohne irgendwelche gefangenen zu machen. Auf der Gegenseite findet man dann einige musikalisch sowie vor allem textlich ansprechendere Bands wie zum Beispiel natürlich die Szenegötter Slime oder auch Dritte Wahl, Kapitulation B.o.N.n., Chaos-Z, Dackelblut, der dicke Polizist und wie sie alle heißen. Hinzu kommen die zwar teils auch nicht mehr so frischen, aber aktuell sehr präsente Bands wie Muff Potter oder Turbostaat, welche für mich derzeit zu den intelligentesten Bands dieser Musikrichtung zählen.

Und seit kurzem müssen sich diese beiden ihren Platz da oben an der Sonne mit einem dritten im Bunde teilen. Die Rede ist dabei von den aus dem saarländischen Gimbweiler stammenden Pascow. Denn was diese auf ihrem neuesten Streich "Nächster Halt gefliester Boden" aus dem Ärmel schütteln, ist einfach klasse. Kennengelernt hab ich die Band durch Erwähnungen in den Zeitschriften Ox und Plastic Bomb, welche auch beide freundlicherweise auf ihren Heft-CDs einen Song des aktuellen Albums parkten. Das ganze hörte sich für meine Öhrchen ohnehin schon gut an, doch erst seitdem ich mir am Freitag den kompletten Longplayer in einem Elektrohandel abgegriffen habe, hat es komplett gefunkt.

Dabei steigt das Quartett mit den Songs "MS Pascow" und "Ein.Bahn.Strasse" relativ flott in die Bügel und bringt beide Lieder unter zwei Minuten ins Ziel. Doch schon dort erahnt man, was noch kommen möge.Mit durchgetretenem Gaspedal und schön rotzigem Punkriffing steuert man in den Liedern auch hier schon einige tolle Melodien an. Hinzu kommt das prägnante Organ von Alex der die Texte mit seinem rauhen, aber nicht unangenehmen Organ vorträgt. Und spätestens mit Song Nummer Drei "the Weltordnung is the fuck" macht es komplett klick und die intelligente Punkparty im heimischen Wohnzimmer kann steigen. Tolle Midtempo-Nummer mit geiler Melodie, coolem und einprägsamen Refrain, abgerundet durch einen sowohl eindeutigen wie auch interpretationsreichen Text.

Wenn wir bei diesen schon mal sind: gerade hier werde ich persönlich an die ebenso geniale Straßenlyrik von Muff Potters Nagel erinnert, die sowohl klar Stellung beziehen kann aber auch durch wunderbar vertrackte Metaphern gefallen kann. Auch Pascow beherrschen dies, schießen aber mit tollen Anspielungen auf den derzeitigen Zeitgeist auch gern gegen die Gesellschaft mit ihren seltsamen Auswüchsen und macht auch vor der (eigenen) Indy-Szene nicht halt, was man zum Beispiel im ebenfalls super geratenen "Toulousi" oder dem oben schon angesprochenen "the Weltordnung is the fuck" hören kann.

Und so zaubern die Saarländer mit ihren knackig auf den Punkt gebrachten Songs - der längste Song geht gerade einmal 3:12 Minuten - einen schönen Sound zwischen Punk und Indy-Rock welcher teils auch einige kleine poppige Elemente aufweisen kann. So gefällt vor allem "Joe Strummers Gewissen" mit seinem Popappeal innerhalb der Strophen. Und wer sich beschweren könnte, daß das Album vielleicht zu kurz ist: fangt es doch einfach wieder von Vorne an, es lohnt sich nämlich wirklich. Alleine schon solche Ohrwürmer wie "Coke Coke Zero" oder dem von einer schönen Stimmung lebenden "Zu viel für Berlin", einer rauhen und gleichzeitig schönen Großstadthymne laden dazu ein, sich "Nächster Halt gefliester Boden" immer und immer wieder anzuhören.

Es lohnt sich nämlich! Man kann sich an den Songs, von denen es schwer fällt einen einzelnen hervorzuheben, da sie wirklich alle ein sehr hohes Niveau aufweisen, einfach nicht satthörn. So möchte ich mal sagen das die Band mit diesem Album wohl schon jetzt einen Kandidaten für das beste Deutschpunk-Album des noch so jungen Jahres ins Rennen geschickt haben. Ganz große Klasse und weit entfernt vom achso stumpfen und döseligen Uffta-Uffta-Geschrammel, mit dem deutschsprachiger Punk mittlerweile von vielen asoziiert wird. Ich attestiere der Band sogar, daß sie in den nächsten Jahren einen Status solcher oben beschriebenen Bands wie Muff Potter, Turbostaat oder aber auch ...But Alive einnehmen können. Doch bis dahin hör ich mir nochmal diese Scheibe an. Und nochmal, und nochmal, und nochmal...

2 Kommentare:

  1. Du hast bei Deiner Aufzählung wegweisender Deutschpunk-Bands WIZO vergessen!

  1. GrossOut says:

    Ach herrje, stimmt... WIZO hab ich ja völlig vergessen. Sind aber wie du sagtest definitiv auch in die Aufzählung einzufügen.