Web Zwei-Punkt-Wiebittewas?

Posted: 9. April 2008 by Heiko Hartmann in Schlagworte: ,
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Ich kann aus eigener Erfahrung der eResult-Wording-Studie beipflichten. Denn laut dieser können gut 30% der Internet-User nichts mit den gängigen Begriffen des Web 2.0 anfangen. Sehe ich am Besten, wenn ich und mein bester Freund uns über "so Zeugs" im Internet unterhalten und das Thema zufällig auf ein Web 2.0-Dienst fällt. Während ich ihm davon also voller Begeisterung - welche sich auch in meinem Gesicht abzeichnet - davon erzähle, sieht man aufgrund des vielen Fachchinesisch bei ihm nur viele Fragezeichen über der Rübe schweben. So musste auch ich ihm schon solche Worte/Begrife wie Tag oder Social Bookmarking (welche ja auch in der Studie erwähnt werden) etwas genauer erklären.

Und hier liegt irgendwo auch das Problem, warum Otto Normalsurfer nicht soviel mit dem ach so tollen und praktischen Web 2.0 anfangen kann: in manch großer Selbstgefälligkeit wird man auf den Seiten von vorherein mit den Fachbegriffen erschlagen. Mit denen können im meisten Falle nur wir Webnerds wirklich etwas anfangen, während nun zum Beispiel erwähnter Freund wie der Ochs vorm Berg vor der Seite sitzt und mir auch schon mal eine Mail schreibt und fragt, was XYZ den nun genau bedeutet. Man muss also als Anbieter eines Web 2.0-Dienstes ganz genau überlegen, wie man eine für erfahrene Nutzer bekannte Funktion auch den Neulingen schmackhaft gemacht werden können, ohne diese zu überfordern.

Doch woher kommt es nun, das so viele Begriffe unklar sind? Seien wir ehrlich: nicht jeder da draußen, verbringt soviel Zeit vor dem Rechner und möchte die Zeit im Internet einfach zur Zerstreuung und Unterhaltung nutzen. Schon dumm, wenn man allerdings für so manche 2.0-Funktionen und deren Begriffe schon fast einen Volkshochschulkurs braucht, um diese zu verstehen. Viele Seiten implementieren zum Beispiel einfach Social Bookmarking-Icons, doch wohl nur die wenigstens wissen dann auch, was sie damit anfangen können. Man sitzt vor diesem kleinen Abschnitt, liest Social Bookmarking und kann nix damit anfangen. Eine Erklärung zu dieser Funktion sucht man meistens Vergebens. Vielleicht ist das ganze ja praktisch für den Benutzer da vor dem Bildschirm, wenn er öfters unterwegs ist und dennoch auf seine Lesezeichen von überall aus zugreifen kann und noch andere interessante Links dabei entdecken kann. Nur die wenigstens werden dann wohl von der Neugier getrieben und bemühen dann Google oder Wikipedia, um Licht ins Dunkel zu bekommen.

Eventuell gehen sowohl wir Web 2.0-Nerds als auch Anbieter solcher Dienste mit den Begriffen aus diesem Metier um. Kann man ja schon fast als überheblich bezeichnen, wenn dann ein Spruch kommt á la "Tagcloud? Ist halt 'ne Tagcloud! Siehste doch, guck doch, merkt man doch gleich, wofür die da ist." Daran könnte dann auch die weitere Verbreitung der Dienste innerhalb der normalen Internet-Nutzerschar scheitern: schlicht und ergreifend an einer viel zu komplizierten Konzeption des Dienstes, welche Frischlinge in den weiten des WWW verunsichern könnten. Denn obwohl mein bester Freund zum Beispiel auch bei Wer kennt wen angemeldet ist, konnte er im Bezug darauf nichts mit dem Begriff "Social Network" bzw. soziales Netzwerk anfangen. Aber diese machen es ganz richtig: vereinfacht wird dem Benutzer auf der Startseite erklärt, was der Nutzen des Dienstes ist. Nirgends steht was von Tags (werden innerhalb des Dienstes ganz einfach Stichwörter genannt), Social Network/Networking usw. Auch erwähnenswert wäre da noch die Tour bei Lokalisten, welche die grundlegendsten Funktionen der Plattform und deren Nutzen erklären.

Doch gerade innerhalb von wkw scheint man nun noch einen weiteren Weg zu gehen, um vollkommenen 2.0-Noobs (und das ist jetzt nicht abwertend gemeint) die Funktionen der Seite näherzubringen: vor einigen Tagen suchte man nach Usern, welche sich als Aufpasser bewerben konnten. Diese sollen neuen Usern bei Fragen zur Seite beistehen und auch in Gruppen nach dem rechten sehen. Sozusagen hätten wir hier ein moderiertes Social Network mit Hilfssheriffs, die wohl auch dem überforderten Support der wkw-Leute innerhalb der Plattform unter die Arme greifen sollen. Wenn dieses Konzept klappen sollte, und der Userwachstum (zu Höchstzeiten derzeit ca. 90.000 User gleichzeitig online) nicht stagniert und weiter wächst, dann wäre wkw einen weiteren Schritt weiter in Richtung des "Volks-SN". Eventuell springen ja auch andere SNs und 2.0-Dienste auf den Zug der Vereinfachung auf (welcher allerdings, jetzt mal ganz grob von mir geschätzt, schon ein wenig an Fahrt aufgenommen hat) und können so noch einige User mehr akquirieren.

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