Herrenmagazin - Atzelgift

Posted: 5. Juli 2008 by Heiko Hartmann in Schlagworte:
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Da schiebt man sich relativ gelangweilt durch die CD- und DVD-Abteilung des Müllers, weiß nicht so recht ob man sich überhaupt dem schnöden Konsum hingeben und was kaufen soll und urplötzlich wird man auf ein ziemlich verschrobenes Albumcover aufmerksam. Und kaum hat man dann auch den Interpreten gesehen, schon weiten sich einem freudig die Augen. Handelt es sich doch um "Atzelgift", dem lange erwarteten Album der Hamburger Herrenmagazin, welche sich schon zu Demozeiten einen gehörigen Namen in der Republik gemacht haben.

Nachdem man dann zu Hause angekommen ist und sich das schon seit gut einem Monat erhältliche Album zu gemüte geführt hat, bleibt man ehrlich gesagt etwas zwiegespalten zurück. Einerseits weiß das Album durch einige wirklich sehr schöne Stücke zu begeistern, andererseits wirkt es auch in irgendeiner Weise nicht so richtig greifbar, als wäre da eine unsichtbare und nur schwer überwindbare Barriere zwischen der Band und dem Hörer. Wobei man doch mit dem Opener "Früher war ich meistens traurig" wirklich wunderbar in die Scheibe einsteigt. Verhaltenes Gitarrenspiel vermengt sich mit dem stets immer etwas melancholisch wirkenden Gesang von Deniz Jaspersen, bevor sich der Song zu einem schön nach Vorne treibenden, ebenfalls im Grundtenor recht melancholisch anmutenden Indierocker par excellence steigert. Krachend und schrammelige Gitarrenarbeit im Abgang und irgendwie assoziiert man den Sound von Herrenmagazin mit Bands wie Kettcar oder ziemlich poppigen Muff Potter.

Wenn wir übrigens gerade schon bei den Mannen um Thorsten "Nagel" Nagelschmidt sind: Dieser gibt sich im Song "Lilly Lametta" übrigens auch mal kurz die Ehre. An und für sich bieten Herrenmagazin tollen Indierock, stets immer etwas angepoppt, aber niemals glattgebügelt oder im Einheitsbrei der deutschen seichten Rockmusik untergehend. Mit wunderbar kryptischen Texten, die zum Nachdenken und Interpretieren einladen, nimmt man den Hörer auf eine Reise durch zwölf Lieder. Dabei hinterlassen allerdings nur wenige eine wirkliche Wirkung. Ab und an klingt man doch irgendwie etwas sperrig. Bei Recherchen zu diesem Artikel wurde die Band auch als etwas kauzig beschrieben, was wirklich treffend ist. Eventuell etwas zu kauzig, was einen ab und an aussperrt und Herrenmagazin fast in einem eigenen Universum zu dem nur sie Bezug haben, treiben lassen. Andererseits gibt es aber auch solche Songs wie bereits angesprochener "Früher war ich immer traurig", dem mit schön traurigem Unterton versehenen "Der langsame Tod eines sehr großen Tieres", "lnbrg", "Lichter der Stadt" und dem wirklich sehr poppigen Titelsong "Atzelgift", für das man das Album und die Band wirklich mag.

Richtig toll ist übrigens auch das abschließende Stück "Kein bißchen aufgeregt", bei dem man den Herren anmerkt, daß früher in der Vergangenheit auch mal hie und da etwas "rumgepunkt" wurde. Da wird nochmal die verzerrte Gitarre ausgepackt, der Hörer mit einer Distortion begrüßt und den Gefühlen freien lauf gelassen. Ganz großes Kopfkino kann hier entstehen. Wer also was mit Bands wie Muff Potter oder solchen Bands wie auch Tocotronic anfangen kann, der ist mit Herrenmagazin bestens bedient. Alles in allem bietet deren Debüt "Atzelgift" teils etwas zu unaufgeregten, aber im großen und ganzen wirklich schönen Indierock. Mit etwas Glück könnten sie wirklich noch wirklich groß werden. Jetzt bin ich mal noch auf die Livequalitäten der Jungs gespannt, welche im Herbst auch mal hier in Kaiserslautern vorbeischauen werden.

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