Kontrust - Time To Tango

Posted: 11. März 2010 by Heiko Hartmann in Schlagworte: ,
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Schon lange her, dass ich hier wirklich ausführlich über Musik geschrieben habe und/oder sogar mal ein Album besprochen habe. Da sollte man fast meinen, die Liebe meinerseits zur Musik wäre ein wenig eingeschlafen. Mitnichten. Nur hat sich bei mir der thematische Fokus für nerdism is sexy über die ganze Zeit ein wenig verschoben. Vor allem ist aber schon länger nicht mehr ein Album zu Ohren gekommen, bei dem ich auch die spontane Idee bekommen habe, darüber ein paar Zeilen zu verlieren.

Doch genug dieser langen Vorrede und kommen wir lieber zum eigentlichen Thema dieses Postings: den Österreichern Kontrust, die seit 2001 schon zusammen Musik machen und deren Album "Time To Tango" welches ich mir nach einem lobenden Review auf Bloodchamber zugelegt habe. Begeistert habe ich dabei festgestellt, dass die Erwartungen nach dem Review nicht nur erfüllt, sondern sogar weit übertroffen worden sind. Der Stil des Sechsers hat mich vor allem immer stark an Bands wie Skindred, Ill Niño oder Sepultura zu "Roots"-Zeiten erinnert. Stark groovende, harte Rockgitarren mit leichtem Reggea- bzw. Latino-Einschlag. Während aber die genannten Bands eher noch einen brachialeren Typ dieser Art von Musik zocken, so kann man Kontrust eher noch in die Zeiten des guten, alten Crossovers und seiner Hochphase Mitte der 90er einordnen. Kontrust können zwar auch gut was wegrocken, doch hier bleibt immer auch noch Platz für Experimente und vor allem Melodie. Neben Frontschreihals Stefan kann die Band mit Agata nämlich auch noch eine unheimlich tolle Sängerin vorweisen, die im Duett mit ihrem Gesangspartner die auch rein instrumental sehr guten Songs noch veredelt.

Den Anfang auf "Time To Tango" macht man mit dem treibenden "Dancer in the Sun", welches schon gehörig spannung aufbaut, wenn neben leichten Keyboard-Klängen eine Melodie gepfiffen wird und man als Hörer auch schon kurz bBekanntschaft mit den Percussions macht. Wenn dann losgerockt wird, kann man sich ehrlich gesagt sehr schwer ruhig auf seinem Stuhl, dem Sofa oder wo man sich gerade sonstwo aufhält, halten. Der Groove drückt wundervoll druckvoll aus den Boxen und wenn dann Agata und die Strophe einfängt, hat man dazu wirklich leichtes Reggae- bzw. sogar Ska-Feeling bei dem schön treibenden Rhythmus. So zieht sich das dann durch ganze 13 Songs, die sich die meiste Zeit im angenehmen aber dennoch schön druckvollen Midtempo bewegen. Mit "Sin" bietet man sogar eine (obligatorische) Ballade, die wunderbar ins Gesamtgefüge des Albums einfügt. Bei den Songs "Play With Fire" und "Clown Parade" kommen dann sogar Bläser zum Einsatz. Bei ersterem gelingt es der Band auch spielerisch ungeheuer tanzbaren Rhythmus mit ordentlichem Groove und auch sehr brachialen Parts zu kombinieren. Dieser angesprochene Teil kann dann wirklich an die eingangs erwähnten Skindred erwähnen. Hier kann Stefan richtig losröhren und brüllen, dass es eine wahre Pracht ist. Dieser kann mit seiner Stimme so klasse variieren, dass er sogar fast wirklich an einen waschechten Reggae-Sänger erinnert. Daher auch meine Vergleiche mit Skindred, da ich so automatisch immer an deren Fronter Benji denken muss.

Richtig herausragend wird es dann bei "Personal Rotation" und "Zero", meinen persönlichen Highlights des Albums. Beide sind mit einer gewissen Melancholie ausgestattet, was gerade bei den Strophen von "Zero", einer schönen Mischung aus balladesken und rockigen Momenten, hervorsticht. Und auch wenn man "Personal Rotation" zu den eher ruhigeren Songs des Albums zählen kann, so schaffen es Kontrust auch hier wieder urplötzlich mit einem losrockenden und - ich wiederhole in diesem Fall dieses Wort sehr gerne - losgroovenden Part. Diese unkonventionellen, überraschenden Einsprengsel machen es, dass man das Album immer wieder gerne anhört und durch die Bude rockt. So kommen in "Vodka, Tribe and Dynamite" passend zum Titel auch russische Gesänge vor. "Time To Tango" konnte mich von Anfang bis Ende wirklich begeistern und vermeldet dabei keine Ausfälle, alle Songs sind auf einem gleichen, hohen Niveau und jeder dabei sogar ein kleiner Hit für sich. Wer also auf abwechlungsreichen Crossover, der wunderbar Latino-, Ska-, Rock und Metal miteinander verbindet und einfach Spaß macht, ist bei Kontrust an der richtigen Adresse. Sehr geiles Album!

Zum Abschluss präsentiere ich mit dem sehr weirden Video von "Bomba" (im Volksmusikstil!) und "The Smash Song" auch noch gleich zwei Hörbeispiele.



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