Stöckchen: Fragen rund um Musik

Posted: 13. September 2010 by Heiko Hartmann in Schlagworte: ,
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All zu oft hat man ja die schon fast aussterbenden (?) Stöckchen hier bei nerdism is sexy noch nicht erblickt. Was auch daran liegt, dass es wenige Themen gibt, bei denen ich dann wirklich mal das Prokrastinieren einstelle und tatsächlich in die Tasten haue. Meistens denke ich mir "Ja mal schauen, könnte man ja mal was drüber schreiben" und dann verschwindet es auch schon in den unendlichen Weiten meiner Verpeiltheit. Doch die herzallerliebste Chaosmacherin kam vor einigen Tagen mit einem Musikstöckchen um die Ecke, welches ich jetzt einfach mal aufhebe und die dortigen Fragen beantworte.

1. Was war deine erste Single?
Gute Frage, da muss ich wirklich scharf überlegen und je länger das jetzt so in meinen Hirnwindungen vor sich hinarbeitet, desto ratloser werde ich. Da ist die Erinnerung schon sehr verblasst. Schon zu teenigen Chartszeiten wurde ich allerdings schon schnell zu einem "Albummenschen". Soll heißen, dass mir Singles schnell unsympathisch wurden und ich lieber zum Album griff. Wenn es aber um die erste Single geht, so dürfte das - die Angabe ist aber wirklich ohne Gewähr - der (und jetzt nicht lachen bitte!) "Cotton-Eyed Joe" von den Rednex gewesen sein. Und ja, ich mag den Song heute noch. Allerdings eher in der Version von Fiddler's Green.

2. Was war dein erstes Album?
Das weiß ich sogar noch ziemlich gut. Da war ich wirklich noch ein kleiner Knirps und hab dann irgendwann als ich mal mit meiner Oma oder so unterwegs war, so lange gequengelt, bis sie mir dann "Neppomuk's Rache" von der EAV gekauft hat. Die lief dann rauf und runter. Das erste selbstgekaufte Album war dann "Smash" von The Offspring. Man sieht: musikalisch war das bei mir ein Quantensprung. Und zur Vollständigkeit halber: die ersten beiden Metalalben waren "Sacrifice" von Motörhead und "Heart of Darkness" von Grave Digger.

3. Wer ist dein Lieblingsinterpret - National (Sänger, Sängerin, Band)?
Ganz klar sind das seit diesem Jahr die Koblenzer von Jupiter Jones. Die Songs der Band haben mich durch schwere und auch schöne Zeiten begleitet und irgendwie treffen deren Texte immer wieder direkt in mein Herz. Sie schreiben, wenn man so will, den Soundtrack of my life. Zudem haben sie mit "Und dann warten" auch einen Song komponiert, der für mich und einen besonderen Menschen sozusagen unser gemeinsames Lied geworden ist. Weitere sehr gern gehörte Bands aus Germanien - und da bleib ich mal bei den deutschsprachigen - sind Herrenmagazin (übrigens unbedingt mal das ganz frische Album anhören), Dritte Wahl, Callejon, Spillsbury, ASP sowie die Pop-/Kleinkunst-/Comedy-Truppe von Ganz Schön Feist. Ich könnte noch mit Acts wie Muff Potter, Matula, Captain Planet, die Japanischen Kampfhörspiele oder auch den sehr tollen Pascow weiter machen, aber das würde hier schon fast den Rahmen sprengen. Ach ja, ich schäme mich auch nicht zuzugeben, dass ich einen ziemlichen Narren an Jennifer Rostock gefressen habe. Man merkt: ich bin da doch recht vielseitig. Und von den deutschen Bands, die auf Englisch singen, hab ich noch gar nicht erst angefangen...

4. Wer ist dein Lieblingsinterpret - International (Sänger, Sängerin, Band)?
Ui, da könnte ich ja jetzt auch wieder sehr weit ausschweifen. Jedenfalls eine meiner Topbands sind, auch wenn mich deren aktuelles Album doch sehr enttäuscht hat, Coheed and Cambria. Seit diesem Jahr auch noch auf einem Platz ganz weit vorne sind die famosen The Gaslight Anthem, deren aktuelles Album "American Slang" bei mir schon rauf und runter gelaufen ist. Weitere Faves meinerseits sind Volbeat, die kanadischen Thrash-Metaller Annihilator, die (Oldschool) Emocore-Götter Samiam, die italienischen Ska-Punks Talco sowie einige Metalcore-Bands wie Bury Your Dead oder Killswitch Engage. Ich weiß, bei diesem und dem vorhergehenden Punkt geht es ja immer um den Topinterpreten für einen selbst, den ich zu Beginn immer genannt habe, allerdings kann ich mich ganz schwer beherrschen und für mich selbst festlegen, dass ich nur einen nenne. Dafür ist mein Geschmack zu breit gefächert und liebe auch die anderen genannten Künstler viel zu sehr.

5. Lieblingslied (All-time favorite)?
Die nachfolgenden Fragen verschieben sich um gefühlte achtzigtausend Absätze. Nein, so ausschweifen wie bei den Interpreten möchte ich nicht, aber da gibt es weitaus mehr als nur eines. Absolute Lieblingslieder überhaupt sind "Wir sind ja schließlich nicht Metallica" und "Oh hätt' ich dich verloren" von - wie kann es anders sein - Jupiter Jones. Ach ja, "A Favor House Atlantic" von Coheed and Cambria ist auch noch ganz oben anzufinden. Nicht zu vergessen der Song "The Messenger" von der leider schon aufgelösten Band The Tea Party oder "Kiss U Miss U" meiner Lieblingserlanger von Fiddler's Green. Ich könnte wie gesagt noch ewig weiter machen, aber belassen wir es mal bei diesen Songs.

6. Momentanes Lieblingslied?
Hey, endlich mal was, wo ich wirklich nur einen zwei Songs angeben kann. So ganz ohne "aber da gäbe es auch noch..."-Zusatz. Einmal wäre das "Tommy Gun" von Royal Republic und dann noch das Titellied aus dem italienischen Poliziottescho Camorra - Ein Bulle räumt auf aus der Feder von Franco Micalizzi.

7. Gibt es einen musikalischen Faux-Pas in deiner Sammlung?
Gut, das die ganzen Thunderdome-Sampler aus der Sammlung mittlerweile verschwunden sind... Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht vor geschmackstechnischen Ausrutschern in der Gegenwart gefeit bin. Namentlich wären das Lady GaGa sowie Katy Perry. Da wunder ich mich selbst ab und zu drüber. Vor allem dann, wenn ich einen Rappel hatte und mir den Kram angehört hab. Zum Abschluss stellt sich mir nur die Frage, ob ich meinen Hang zu Italo-Pop hier ebenfalls reinschreiben muss?

8. Mit welchem Lied verbindest du persönliche Erinnerungen an Personen oder bestimmte Ereignisse?
Ganz oben habe ich diesen Punkt eigentlich schon ein wenig beantwortet. Das angesprochene "Und dann warten" erinnert mich wie gesagt immer an diesen ganz besonderen Menschen, mit dem ich mich so verbunden fühle. Aber: auch hier gibt es eigentlich mehrere. Ich beziehe so einige Songs auf Personen oder eben Ereignisse. "Tangerine" von Fiddler's Green erinnert mich zum Beispiel an meine letzten Jahre in der Schule, da ich dort noch ganz frisch mit meiner damaligen Freundin zusammen war.

9. Welche Musik hörst du, um gut drauf zu kommen?
Meistens ist das dann entweder Ska-Punk, Melodic Hardcore, Pop-Punk oder auch Folk-Rock/Punk. Hörbeispiele aus diesen Sparten wären da "Wir lügen nicht" von den Bad Nenndorf Boys, "Walkman Revolution" von Montreal, "Little less drunk" von Bambix, "Dirty Glass" von den Dropkick Murphys oder auch mal gut tanzbare Chiptunes wie "At Teh Disco" von Trash80.

10. Welche Musik hörst du, wenn du traurig bist?
Viel Jupiter Jones. Sie haben eigentlich für jede Gemütslage den passenden Song. Außerdem kommt da dann auch meine frühere Gothic-Zeit durch und es kann passieren dass neben ASP auch mal wieder L'Âme Immortelle oder ähnliches durch die Boxen rauscht. Wenn ich richtig down bin (aber nicht nur), kommen dann auch mal wieder Katatonia öfters zum Einsatz. Nicht zu vergessen wären dabei so wunderschöne, aber eben auch todtraurige Songs wie "Minus" von Bad Astronaut, "Shesmovedon" von Porcupine Tree oder "Broken Arm" von den Winterpills. Und Emo. Echt jetzt! Alten wie neuen. Generell gilt ja überhaupt bei mir: je trauriger ein Song, desto schöner.

11. Welche Musik macht dich aggro?
Heile Welt-Schmusimusi aus der Schlager- und Volksmusikszene. Da kommt mir ja immer wieder die Galle hoch. Obwohl ich mich ab und an auch gut drüber amüsieren und sogar vorstellen kann, mit dem Herm zusammen mal einen Musikantenstadtl oder ähnliches live mitzubloggen. Auch dieser ganze hirnamputierte Atzenschrott oder Asi-Hip Hop bescheren mir meistens ordentlich Schaum vorm Mund. Das ist Musik, bei der ich mich immer fast vergessen könnte.

12. Was ist dein Lieblingssoundtrack?
Leute die Hollywood und Blockbuster als das Nonplusultra halten: bitte weiter lesen. Wer die filmische Auswahl bzw. den Schwerpunkt meines Filmblogs Allesglotzer kennt, weiß, dass ich hier jetzt gleich mit Soundtracks zu italienischen Genreproduktionen aus den 70ern und 80ern um die Ecke kommen werde. Einer meiner Faves: Riz Ortolani mit den Arbeiten zu Cannibal Holocaust und Addio Onkel Tom. Auch ganz groß finde ich Fabio Frizzis Arbeit zu Woodoo - Schreckensinsel der Zombies, welcher übrigens im Kino (letzten Monat hab ich mir das gute Ding im Kölner Filmhaus angetan) nochmal so geil rüberkommt. Weiter gehts mit dem Soundtrack zu Sergio Martinos Der Killer von Wien, meinem Lieblingsgiallo. Den hat der gute Quentin Tarantino im zweiten Teil von Kill Bill verbraten. Auch sehr toll: Chi l'ha vista morire, der von Ennio Morricone stammt. Weiter geht's mit dem unheimlich tollen Soundtrack zu Marino Girolamis Verdammte, heilige Stadt. Wenn ich schon mal bei italienischen Produktionen bin, so muss ich natürlich so manchen wunderbaren Tune wie ihn, diesen hier oder auch den hier der Kultband Goblin, welche immerhin auch den Soundtrack zum originalen Dawn of the Dead komponiert haben, nennen. Wenn ich nun noch weiter im Kopf nach tollen Soundtracks aus der Welt der Gialli, Poliziotteschi oder auch Italowestern (die ich hier mal außen vor gelassen habe) graben würde, würde dies das Posting noch länger machen. Belassen wir es mal bei diesen, die ohnehin meine absoluten All time-faves sind.

13. Welche Musik läuft, wenn du jetzt deinen MP3-Player/CD-Player etc. anwirfst (ohne zu schummeln)?
Oh... gute Frage. Mein MP3-Player shuffelt zwar meist, aber den ersten Song wähl ich immer händisch aus. Eine Stereoanlage hab ich zur Zeit leider nicht und auf dem Rechner hör ich nicht so viel über Shuffle sondern immer ausgewählt, wonach ich gerade Lust habe. Also um ehrlich zu sein: nüschts.

14. Wie wichtig ist dir Musik?
Man wird es alleine schon an der immensen Länge dieses Postings merken: sehr wichtig. Auch wenn der Film mein größtes Hobby, mein absolutes Steckenpferd, ist... Ohne Musik könnte ich ehrlich gesagt nicht überleben. Ich bezeichne das mal übertrieben wirklich als "Grundnahrungsmittel" bzw. Mittel zur Lebenserhaltung, da ich dadurch Ereignisse, egal ob freudig oder eher schlecht, verarbeite. Sie ist für mich eine Sprache und Spiegel der Gefühlswelten und da ich praktisch nicht so der große Musikant bin, bleibe ich eben passiv und sauge dafür um so mehr in mich ein. Musik brauche ich zum Leben wie Freunde oder auch die Luft zum Atmen.

So, wer es wirklich bis hierher geschafft hat, der verdient meinen vollsten Respekt. Ich kann mich bei sowas halt immer so schlecht zügeln. Weiter werde ich das Stöckchen mal nicht werfen, dafür kann er von jedem aufgenommen werden, der möchte.

1 Kommentare:

  1. Nick says:

    oha, sehr schön geschrieben :)
    und selten, das mal jemand die prioritäten genauso gelegt hat (filme und musik betreffend) ^^
    und da des mein erster post bei dir ist: daumen hoch für nen schicken blog und mach weiter so ;)