Projekt Hörsturz: Runde 35

Posted: 10. Dezember 2010 by Heiko Hartmann in Schlagworte: ,
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Daran müssen sich nun meine Blogleser gewöhnen: ich habe Geschmack am Projekt Hörsturz von beetFreeQ gefunden und so bin ich auch bei der nächsten bzw. aktuellen Runde wieder mit am Start. Gefreut hat es mich, dass einer meiner größten Favoriten der 34. Ausgabe es letztendlich bei den Auswertungen auch auf Platz 1 geschafft hat. Mumford & Sons sind aber auch wirklich eine tolle Band. Alleine deswegen gefällt mir das ganze so gut: man kann nicht nur seine Tube Senf zu den vorgeschlagenen Titeln abgeben, sondern auch gleich noch neue Musik entdecken. Deswegen widme ich jetzt auch mal den neuen Titeln:

IAMX - Kiss And Swallow (Moonbootica-Remix) (von Fabian)
Nein, ich bin elektronischer Musik nicht abgeneigt. Das Arrangement des Songs geht auch recht in Ordnung. Aber: es will nicht so richtig kicken. Der Remix ist sauber produziert, vielleicht sogar ein wenig zu glatt. Die leicht knarzigen Effekte im Hintergrund: paßt auch. Aber so richtige Höhepunkte wollen hier nicht aufkommen. Die knappen sechs Minuten bieten keine Highlights, blubbern eher so an einem vorbei. So wie der Gesang. Auch der ist mir eine Nuance zu kraftlos und so schrammt das ganze knapp unter den Durchschnitt. 2,5/5

Muse - United States Of Eurasia (+Collateral Damage) (von Dany)
Erinnert mich so ein wenig an die Pomp-Nummer der seligen Queen. Nur das Muse mit dem Song nie deren Klasse erreichen. Abwechslungsreich und mitreißend war deren Songwriting, hier bei Muse schlafen mir leider irgendwie ein wenig die Füße ein. Schlecht ist das ganze keineswegs, berührt mich aber auch nicht weiter. Trotz nettem Piano-Intro. Kann man hören und kaum ist der Song fertig, hat man ihn auch schon wieder vergessen. 3/5

Peter Gabriel - The Book Of Love (von Steve)
Da kann ich mir richtig vorstellen, dass so einige andere Teilnehmer das Lied zum Einschlafen finden. Und ich? Ich sitz' hier, schüttele verneinend den Kopf wenn der gute Peter zu Beginn singt "The book of love is long and boring" und stoße ein leises "Hach" aus, wenn der Song mit seinem warmen und umschmeichelnden Streicherarrangement verklingt. Dazu noch die leicht kratzige Stimme von Gabriel: klasse. Hat mein Herz berührt. 4/5

Rotary Ten - Itchy Feet (von Julia49)
Ich hab auf die Laufzeit geachtet. Nach genau 37 Sekunden huschte ein Lächeln über mein Gesicht. Ein toller Indie-Song, voller Leichtigkeit. Er tut keinem weh, läßt einen aber auch gut zum Sound hinwiegen. Tolles Schlagzeug, Gitarrensound wie ich ihn wirklich liebe. So klingt bestimmt fast jede dritte Indie-Band. Aber: wenn der Song so angenehm wie dieser ist, geht das ganze schwer in Ordnung. 3,5/5

Kanye West - Lost In The World (von David)
Tut mir ganz doll leid David, aber: Kanye geht ja mal überhaupt nicht. Dieser überstrapazierte Stimmeneffekt am Anfang schon ist ja schon fast zu viel für mich. Die Bassdrum erinnert mich leicht an billiges Prolltechno und der Gesang läßt mir die Kekse in der Büchse vor Verzweiflung hart werden. Hört sich in der Tat ja ziemlich hart an. Wem's gefällt: bitteschön. Aber mit sowas werde ich wohl nie warm. 1/5

Afraid of Stairs - Not Today (von Dr. Borstel)
Diese Gitarren! "Klingt interessant" war der erste Gedanke, dann gefiel mir das Geschrammel kombiniert mit diesem tollen Melodielauf immer mehr. Hinzu kommt noch dieser LoFi-Appeal des Songs und seine knackige Kürze, was mir gut gefällt. Reißt mich zwar nicht direkt vom Sitz und läßt mich in Jubelstürmen ausbrechen aber sehr nettes Lied, mit schönem Garage-Charakter. 3,5/5

Eight Legs - Vicious (von Basti)
Er braucht ja bis er in die Gänge kommt, aber das Timing des Songs ist nett. Und auch hier sind es mal wieder die Gitarrenmelodien und -läufe, sowie der leicht etwas knallende Chorus, welche mir am Besten gefallen. Berührt mich zwar nicht so stark wie die anderen in der Runde vertretenen Indie-Songs, aber richtig auszusetzen habe ich an "Vicious" nichts. Kickt halt nicht genug, auch wenn das Songwriting so schon ganz gut ist. Könnte etwas mehr Biss vertragen. 3/5

Irie Révoltés - Travailler (von Tenza)
Der Anfang mit seinen etwas schrägen Synthies: meine Aufmerksamkeit ist geweckt. Plötzlich kommen Reggae-Rhythmen hinzu. Ich bin überrascht. Aber es gefällt. Der französische Gesang: gewiss nicht Jedermanns Sache. I like it. Der Beat setzt ein und mir wird ein wohlwollendes "Wow" entlockt. Spätestens wenn dann die rockigen, wenn auch etwas zurückhaltenden Gitarren einsetzen: ich tanze mit. Der Chorus läßt mich feiern. Der Song trifft mich unerwartet. Wenn er noch ein wenig mehr rocken würde, wäre die Höchstpunktzahl fällig. Aber 4,5/5 sind auf jeden Fall drin.

Poets & Pornstars - Rock'n Roll (von Nummer Neun)
Dick rockende Gitarren, im Hintergrund röhrt zurückhaltend 'ne Orgel und dazu ein Sänger, dem man noch so zwei drei Stangen Zigaretten zustecken möchte. Er geht in Ordnung, aber die Stimme könnte zu dem Sound noch etwas rauchiger sein. Erst dann kommt das ganze so richtig cool. Den Kopfnicken kann ich aber dazu. Nette Rocknummer für Zwischendurch. 3,5/5

Gentle Giant - Racounteur, Troubadour (von maloney8032)
Kein Wunder, dass mir die Band wie experimentellere Yes vorkommen. Nach kurzer Recherche weiß ich, dass Gentle Giant eine einflussreiche Prog Rock-Band waren. Schande über mich, dass mir der Name bisher nie so geläufig war. Natürlich, das irgendwie fahrige und sperrige Arrangement ist etwas mindblowing. Aber diese Mischung aus Hammond-Klängen und dem Einsatz von Violinen: Hut ab, ist echt gut. Man wartet nur etwas zu sehr, dass das Lied mal irgendwann richtig anfängt. Und dann ist es schon ist es zu Ende. Kann man aber ruhig mal hören. 3/5

Die Bonussongs:

Au Revoir Simone - Dark Halls (von LemonHead)
Hat für meinen Begriff einen schönen Wave-Einschlag. Die Synthies besitzen eine gewisse Kälte, doch trotzdem kann man sich der etwas verträumten Atmosphäre nicht verwehren. Schön. 4/5

Badly Drawn Boy - Something To Talk About (von Graval)
Ja, das Lied besitzt Charme. Wieder eines der vielen Lieder an denen ich nix aussetzen, aber auch nicht wirklich sagen kann, dass es mich packt. Einfach okay eben. 3/5

Bo Burnham - Rant (von Khitos)
Ich bin zwiegespalten. Wirklich toller Text, nur die Musik? Klar, sie ist eigentlich nur Mittel zum Zweck. Mit der Geige und den Beats werde ich immer etwas an die Flobots erinnert. Nur die haben eben auch bessere, größere Arrangements. Rein musikalisch ist mir das einfach ein bissl zu mau. Von daher leider nur 2,5/5

Diorama - Das Meer (von Fini)
Die Herren kenne ich noch aus meiner dunklen Phase. Der Text geht in Ordnung, genauso wie die Musik selbst. Sehr ruhig umgesetzt, steigert sich zum Finale, schön dramatisch wenn man das so nennen darf. Auch wenn ich etwas mit den Schultern zucke: es gibt schlimmeres. Es gibt aber auch mitreißenderes, obwohl sowas eigentlich mag. Bleibt im Durchschnitt hängen. 3/5

Herrenmagazin - Krieg (von Heiko)
Ich habe für mich entschieden: eigene Songs werden nicht bewertet.

Jonathan Coulton - I Feel Fantastic (von Konzertheld)
Flotter Rhythmus, Akkustikgitarren die leicht im poppigen Rock/Punk angesiedelt werden können. Der Chorus ist ja schon fast aufdringlich fröhlich. Könnte einem wenn man es vielleicht etwas öfters hört, auf die Eier gehen. Gefällt aber. 3,5/5

Monster Magnet - Gods and Punks (von cimddwc)
Die Mannen um Dave Wyndorf sind bekannt und jetzt schon Kult. Aber Stoner Rock ist nur bedingt mein Ding. Gut gemachter Song. Läßt auch ein wenig mit dem Kopf nicken und den Fuss wippen. Aber der berühmte Funke mag bei mir nicht so richtig überspringen. Irgendwie klingt der Song auch etwas uninspiriert und für die Monstermagneten etwas zu sehr nach einer 08/15-Nummer. 2/5

Parenthetical Girls - Young Throats (von Kristin)
Ich möchte es so sagen: töfte. Der Sänger schrammt knapp am zu argen Gejaule vorbei, seine Stimme fügt sich aber gut in den Sound des Lieds ein. Und dieser gefällt mir wirklich gut. Elektronische Mucke wie ich sie mag, zumal die Synthiemelodie meiner Meinung nach ja wirklich schön einprägsam ist. 4/5

XTC - Scissor Man (von beetFreeQ)
Leicht schräg. Sowohl der Gesang als auch die Instrumentierung. Der Song hat aber irgendwie was schön schnodderiges und unangepaßtes. Flasht mich nicht so richtig, aber seinem gewissen Charme kann man sich nicht verwehren. Ganz okay um es anders auszudrücken. 2,5/5

4 Kommentare:

  1. khitos says:

    Flobots? Hm, hab ich gar nicht daran gedacht, könnt aber teilweise stimmen ^^
    Aber gerapped und musikalisch find ich das auch ziemlich super, was Bo da auf die Beine stellt =)

    Und die Kommentarfunktion ist auf einer seperaten Seite? hm =/

  1. Kristin says:

    Dankeschön für die Punkte! :)

  1. Dr. Borstel says:

    Danke für die Punkte! Schön, dass mal jemand die Kürze als positiv auffasst. Warum müssen Songs eigentlich immer 3 1/2 Minuten lang sein, wenn auch in zweiten alles gesagt sein kann?